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Menschen mit eingeschränkten Alltagskompetenzen

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Was bedeutet eigentlich "Alltagskompetenz"? "Darunter versteht man, dass ein Erwachsener die alltäglichen Aufgaben innerhalb seiner Kultur selbständig und unabhängig in einer eigenverantwortlichen Weise erfüllen kann."

Seit etlichen Jahren wird von Pflegeexperten sowie Pflege- und Behindertenverbänden beklagt, dass der Hilfebedarf, z.B. infolge einer demenziellen Fähigkeitsstörung, psychischen Erkrankung oder geistigen Behinderung, nicht ausreichend berücksichtigt wird. Denn meist können betroffene Menschen mit solchen Handicaps wegen dem fehlenden "verrichtungsbezogenen Hilfebedarf" nicht in eine Pflegestufe der Pflegeversicherung eingruppiert werden, obwohl Sie ihren Alltag tatsächlich nicht selbständig und alleine bewältigen können. Viele brauchen sogar eine intensive Betreuung und Beaufsichtigung, oftmals rund um die Uhr.

Pflegebedürftigkeit und Pflegestufe

Die Krux im System liegt in der Definition des Begriffes "Pflegebedürftigkeit". Dieser wurde mit Einführung der Pflegeversicherung im SGB XI festgelegt und definiert hauptsächlich die physischen und verrichtungsbezogenen Aspekte. Diese einseitige Betrachtungsweise hat zur Folge, dass mit der jetzigen Systematik zur Erfassung der Hilfs- und Pflegebedürftigkeit eben ein Großteil der von Demenz, geistiger Behinderung oder psychischen Erkrankung betroffenen Menschen keine Pflegestufe erhält. Zwar hat der Gesetzgeber durch Einfügen des § 45a in den SGB XI versucht, den Personenkreis der EA einzugrenzen, allerdings werden hier nur Personen berücksichtigt, die neben einem Hilfebedarf der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung im Rahmen der häuslichen Pflege einen erheblichen Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung haben. Hier wird bei einer Begutachtung nach § 18 SGB XI wird durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) oder bei Privatversicherten durch einen unabhängiger Pflegegutachter, festgestellt, ob eine Krankheit (demenzielle Fähigkeitsstörung, geistige Behinderung oder psychische Erkrankung ) oder Behinderung Auswirkungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens hat und zu einer dauerhaften, erheblichen Einschränkung der Alltagskompetenz führt. Ist dies der Fall, können die Betroffenen zusätzliche Betreuungsleistungen erhalten. Hier gibt es zum Einen den sog. zusätzlichen Betreuungsbetrag  als Grundbetrag mit 104 Euro, oder 208 Euro als erhöhter Betrag . Zum Anderen erhalten Menschen mit Pflegestufe I oder II ein höheres monatliches Pflegegeld bzw. bei Inanspruchnahme eines zugelassenen deutschen Pflegedienstes eine höhere Pflegesachleistung. Infos über die Höhe dieser Beträge: hier  

 

Pflege zu Hause - Übersicht der Leistungen der Pflegeversicherung 2015/16

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grafik  Quelle: http://www.humanis-pflege.de

Die Pflegestufe 0

Menschen mit einer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz, die nicht die Voraussetzungen für eine Pflegestufe erfüllen, können seit 2013 der umgangssprachlich genannten "Pflegestufe 0" zugeordnet werden und Geld- oder Sachleistungen der Pflegeversicherung erhalten. Die Höhe des Pflegegeldes beträgt monatlich 123 Euro. Werden Leistungen bei einem Pflegedienst eingekauft, beträgt diese Pflegesachleistung 231 Euro im Monat. Außerdem werden 1612 Euro im Jahr  für eine Ersatzpflegekraft bei Urlaub, Krankheit oder Kur, sowie 4000 Euro als Zuschuss für eventuelle Umbaumaßnahmen gewährt.    

Pflege und Politik

Die Legislative hat in den vergangenen Jahren erkannt, dass bedingt durch den schnellen demographischen Wandel und der damit zusammenhängenden Zunahme an pflegebedürftigen Menschen das jetzige Pflegesystem so nicht mehr zeitgemäß ist. Dabei gab es von den Regierenden in der Vergangenheit viele gute Absichten, aber keine umfassenden Lösungen. Schon im Jahr 2005 wurde im Koalitionsvertrag beschlossen, dass z.B. der Pflegebedürftigkeitsbegriff überarbeitet werden soll.

Die jetzige Bundesregierung hat dem Thema "Pflege" Vorrang eingeräumt. Im Koalitionsvertrag von 2013 wurde die Umsetzung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs beschlossen und die Gesetzgebung auf 2015 anberaumt. Außerdem verkündete Gesundheitsminister Gröhe auf dem ersten deutschen Pflegetag 2014, dass in dieser Legislaturperiode für Verbesserungen in der Pflege 6 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt werden.

Nachtrag:

Am 28.5.2014 wurde die erste einer zweistufigen Pflegereform durch das Bundeskabinett auf den Weg gebracht. Die Ziele für 2015:

  • Die Leistungen der Pflegeversicherung sollen um bis zu 4% erhöht werden. In der untersten Pflegestufe  um 2,67%. Die Erhöhung ist nicht dynamisiert und soll 2017 auf ihre Angemessenheit überprüft werden. Also jetzt eher ein Inflationsausgleich!
  • Als neue Betreuungs- und Entlastungsleistungen werden niedrigschwellige Angebote gefördert. So werden für die Hilfe im Haushalt oder für Alltagsbegleiter an alle Pflegebedürftigen monatlich 104 Euro gezahlt. Demenzkranke erhalten bis zu 208 Euro.
  • Erhöhung des Zuschusses für Umbaumaßnahmen von jetzt 2557 Euro auf bis zu 4000 Euro pro Maßnahme. Bei den Zuschüssen für Pflegehilfsmittel steigen die Beträge von 31 Euro auf 40 Euro monatlich.
  • In Pflegeheimen sollen zusätzliche Betreuungskräfte eingesetzt werden. Diese sollen durch Aktivitäten mit den Bewohnern, die Pflegekräfte entlasten. Mit Aktivitäten sind z.B. Spaziergänge, Vorlesen etc. gemeint.
  • Pflege und Beruf soll in Zukunft besser vereinbar werden. So wird bei Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen eine 10-tägige Lohnersatzleistung für die Organisation der Pflege möglich sein.
  • Tages- und Nachtpflege sowie die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sollen ausgebaut werden.
  • Ein Pflegefonds ist geplant, um finanzielle Mehrbelastungen (z.B. durch geburtenstarke Jahrgänge, demografische Entwicklung...) für die Zukunft aufzufangen.

Die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs wurde auf 2017, den Beginn der Pflegereformstufe II, vertagt.

 

 

 

 

 

Aktualisiert am 08.Januar 2016um 9:45 Uhr

Die Leistungen der Pflegeversicherung bei eingeschraenkter Alltagskompetenz hilft Menschen, die bisher von der Pflegeversicherung nicht erfasst wurden. Die Leistungen der Pflegeversicherung bei eingeschraenkter Alltagskompetenz hilft Menschen, die bisher von der Pflegeversicherung nicht erfasst wurden.

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